Zum zwölften Mal muß die Stadt Kassel eine Ausstellung beherbergen, die doch sehr an München im Jahre 1937 erinnert, die Veranstaltung, die als abschreckendes Beispiel für entartete Kunst gedient hat (übrigens war damals der Eintritt frei). Heutzutage schreckt diese Art von Ausstellung das Volk zwar immer noch ab, die Urheber sind jedoch nicht emigriert oder in Behandlung, sondern präsentieren sich als moderne "Künstler" einem ohnmächtigen Publikum. Durch solch gezielte Provokationen kann, wer als Kunstschaffender versagt hat, zumindest noch etwas Aufmerksamkeit erringen. Für den Leiter Roger M. Buergel beginnt die Moderne 1789. "Die documenta 12 will ihr Publikum darin unterstützen, die ausgestellten künstlerischen Arbeiten auf das eigene Leben zu beziehen." Dies gelte besonders für das lokale Publikum in Kassel. - Im Falle der pornografischen "Bondagekunst" von Frau Steyerl sicher kein Problem: Fesseln und Knebel für den Verstand, perverse Kunstbanausen ergötzen sich. Das internationale Publikum wird natürlich ebenfalls angesprochen, gerade dann, wenn es so etwas wie "Kultur" gar nicht kennt. Für einen Buschmann mag ein Stück Margarine an die Wand geschmiert oder eine rostige Metallplatte in die Wiese gerammt beeindruckend sein, im europäischen Kulturkreis hat man dagegen ein andere Auffassung von Kunst. Ein "Kunstwerk", was an sich nicht verstanden werden kann, sondern als Daseinsberechtigung erst eine schwülstige Interpretationsanweisung benötigt (manchmal weiß allerdings nicht einmal der Macher, wie er seinen Unsinn erklären soll - "ohne Titel") hat diese Bezeichnung gewiß nicht verdient. Sicher, über Geschmack läßt sich streiten - über das zur Schau stellen von Schrott und Müll allerdings nicht. Gerade dann nicht, wenn sog. "Außenaktionen" nachhaltig die Natur zerstören oder Straßen und Plätze der ungefragten Bürger verunstalten. Nicht zuletzt ist es übrigens wieder der steuerzahlende Bürger, der eventuelle finanzielle Defizite dieser "Weltausstellung" tragen muß.
Nimmt diese "Moderne Kunst" etwa irgend jemand ernst? Schaute man sich bei der Pressekonferenz die Kuratoren und "Künstler" an, so sah man einen Haufen Ja-Sager, überheblicher Nichtskönner und Gaukler, die nun voller Neid Rache an den Tüchtigen und Schaffenden nehmen indem sie in der Kunst und Kunstpolitik das große Wort führen. Diese kleine selbstgefällige Clique maßt es sich an, dem gesunden und instinktsicheren Gefühl des Volkes Rückständigkeit zu unterstellen, wenn sich Kritik gegen diesen staatlich gestützten Kulturverfall erhebt. Nur durch Ausnützung ihrer Stellung in der Presse, mit Hilfe der sogenannten Kunstkritik und den entsprechenden Fakultäten an den Universitäten (auch hier nimmt Kassel eine unrühmliche Rolle ein) konnten sie das Wesen und den Zweck der Kunst auf dieses Niveau herabdrücken. Sie erdreisten sich ihre Produkte als Kunst unserer Zeit vorzustellen, als Ausdruck dessen, was das Heute gestaltet und prägt. Tatsächlich gibt es Zeitgeistige, die solche Dokumente für 18 € (Tageskarte) begaffen - aus Lust am Häßlichen und Lächerlichen? Der postmoderne Biedermann streift kopfschüttelnd durch die Ausstellung und ist in kindlicher Entdeckungsfreude gespannt, was für ein Spaß ihn als nächstes erwartet. Auch ganze Schulklassen werden von systemergeben Lehrern durch die Tempel der ästhetischen Selbstmörder getrieben. Sie sollen applaudieren, wie bei des Kaisers neuen Kleidern, als demütige Unterwerfungsgeste für einen offensichtlich geisteskranken Despoten. Metapolitik: Wer Schweineställe, Reishaufen und defekte Fernsehgeräte als eine Ausdrucksform der Kunst anerkennt, der wird auch alle weiteren Erniedrigungen und Lügen des Systems duldsam ertragen. Solche kulturellen Stichproben bestätigen dem Souverän: Die Masse und gerade die intellektuelle Klasse kriecht immer noch brav zu Kreuze, kaum einer wagt aufzustehen. Unser Ideal hat mit diesen Sklavenseelen nichts gemein. Wir nennen Fremdes fremd, Krankes krank und Häßliches häßlich. "Ich liebe die großen Verachtenden", sagt Nietzsche, "weil sie die großen Verehrenden sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem anderen Ufer." Und dieses andere Ufer ist die Neue Kultur. Die Ästhetik des Schönen, des Starken, des Gesunden. Und um dieses zu finden, muß man nicht in der Vergangenheit verweilen. Künstler, schöpferische Menschen gibt es nach wie vor, nur werden sie aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit gedrängt (und bekommen nicht die Gelegenheit, wie 1937, dem Schund Kunst entgegenzuhalten). Machen wir den Weg für die Neue Avantgarde frei. Jenseits der gelenkten Medien, vorbei an den Zeugnissen des Untergangs, hinauf zum Gipfel des Ethnos. "Die bildende Kunst schildert nicht allein einen bestehenden Zustand, sondern der große Künstler stellt zugleich ein Zukunftsbild auf, das der Sehnsucht seiner Rasse Gestalt gibt, indem er ihm seine Erfüllung zeigt, wie es einst die Griechen mit ihren marmornen Leibern getan haben." Paul Schultze-Naumburg (1869-1949), Kunstprofessor, Weimar