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Sippenpflege in Athen und Sparta II
(Prof. Dr. Helmut Berve/Dr. Brake)
Zu einer blutsmäßigen Vermischung der [dorischen] Einwanderer mit der ansässigen Bevölkerung ist es weder in der ersten Zeit, als die Gegensätze der Herkunft und die Tatsache  der gewaltsamen Unterwerfung von beiden Teilen unmittelbar empfunden wurden, noch später, als aus dem Verhältnis von Siegern und Besiegten sich dasjenige von Herr und Knecht ergab, gekommen, dazu war der Geist der Dorier zu aristokra-
tisch exklusiv, ihr Instinkt zu rein und stark. So sind die Unterworfenen, mochten sie den dorischen Dialekt ihrer Bezwinger annehmen und sich insofern nicht mehr von ihnen unterscheiden, doch niemals zu Doriern geworden. Zwei Schichten hat es in Lakonien bis zum Zusammenbruch des Staates der Lakedämonier gegeben: die dori-
sche Stammeseinheit und, von ihr unwiderruflich getrennt, die Unterworfenen, die Heloten. Die absolute Härte, mit der diese Zweiheit aufrechterhalten wurde, hat
den Lakedämoniern und besonders ihrem Adel eine schlechthin einzigartige Reinheit der Stammesart, Einheitlichkeit der Gesinnung und damit höchste Geschlossenheit nach außen bewahrt. Hier, wenn irgendwo, konnte daher der Geist der nordischen Einwanderer, der in so vielen Zügen sich germanischem Wesen verwandt zeigt, die ideale Form des Lebens verwirklichen, die in ihm von Natur angelegt war. Nicht in stiller Abgeschiedenheit ist das geschehen, so entschieden der Kranz der Gebirge
das lakonische Land umschloß, sondern in der Welt der harten Realitäten. Denn
kein Idyll ist Sparta gewesen, sondern ein Stück wahrer, leibhaftiger Geschichte
des Volkes der Hellenen.

(Aus: Helmut Berve, Sparta, Leipzig, 1937)  


Auslese und Erziehung als Grundlagen der Menschenformung

Die hohen Anforderungen innerhalb des spartanischen Staatswesens konnten nur erfüllt werden, wenn hinter ihnen ein Menschentum stand, das in seiner Haltung von der Begeisterung und der Verantwortung für das Ganze durch und durch bestimmt war und dessen Kräfte zu außerordentlicher Leistungsfähigkeit gesteigert und auf
den öffentlichen Dienst ausgerichtet waren. Die Fundamente für die Verwirklichung dieser Haltung und für ihr Fortleben durch die Generationen hindurch waren eine planmäßige Rassenauslese, die den Bestand eines einheitlichen und hochwertigen Bluterbes unter den Spartanern erhielt und förderte, und ein Erziehungssystem, daß durch seine innere Geschlossenheit und tiefgreifende Formkraft aus dieser Substanz den Typus einer politisch-kriegerischen Führerschicht schuf. Beide, Rassenauslese und Erziehung, in engstem Zusammenwirken miteinander, waren die Quellen, aus denen die menschliche Kraft Spartas sich immer wieder erneuerte. Sparta war unter den Staaten der antiken Welt die ausgeprägteste Blutsgemeinschaft. Die den griechi-
schen Stämmen gemeinsame Überzeugung, daß aller wahre Wert und alle große Leistung ihren Ursprung in den von den Vorfahren ererbten Kräften des Blutes
hätten, war hier in ganz besonderer Schärfe und Ausdrücklichkeit lebendig. Und
die aus den ältesten Zeiten stammenden Sitten, die angestammte Art unverfälscht und ungemindert zu bewahren, waren hier nicht nur besonders reich entwickelt, sondern waren zu einem der wichtigsten Grundgesetze des Staates erhoben. Eine Fülle von Einrichtungen sorgte dafür, daß die Schar der führenden Spartiaten sich
aus dem alten dorischen Blutserbe ergänzte und daß der Zufluß allein aus den gesunden und bewährten Kräften geschah. (...)
Die Lebensweisheit der Spartaner enthielt ein ausgeprägtes Wissen um das
Verhältnis der Erziehung zu den Kräften des Blutes. So sehr das Hineinwachsen der jungen Generation in die Ideale der Väter nur aus den Wurzeln einer ursprünglich gesunden und unverdorbenen Naturanlage gelingen konnte, ebensosehr bedurfte sie einer eingreifenden erzieherischen Formung, wenn sie nicht verwildern und verküm-
mern und wenn aus ihr das Beste herausgeholt werden sollte. Spartiat im vollen
Besitz der Arete war man nicht allein durch die Geburt aus edlem Blut, sondern man wurde es erst durch die Auslese der staatlichen Erziehung. So waren Rassenpflege
und -erziehung wohl aufeinander abgestimmt und ergänzten sich wechselseitig.


(Aus: Jürgen Brake, Spartanische Staatserziehung. Nach den Quellen bearbeitet, 1939)
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