Die Lage aller Menschengruppen, ob klein, ob groß, bleibt stets dieselbe. Zwei Grundverhaltensweisen bestimmen sie. Erstens vermehren sie sich gewöhnlich stärker, als zur Erhaltung ihres Bestandes erforderlich ist. Zweitens werden sie glückliche Lebensvoraussetzungen nur unter starkem Zwang aufgeben. Nur selten haben Neugierverhalten und Abenteuerlust dieses zweite Gesetz durchbrochen, und auch dann nur, wenn sich dadurch noch bessere Lebensbedingungen erhoffen ließen. Das Verhältnis von Geburtenrate und Raumangebot bestimmt das Schicksal der Menschen, bildet im ständigen Auspendeln ihre Geschichte.
Wo eine Überbesetzung der Jagdreviere und später der Siedlungsgebiete drohte, wanderte das Jungvolk ab und zog als neuer Stamm in andere Gebiete, die entweder noch menschenleer waren oder sich roden ließen, oder vertrieb und tötete die dort hausenden. Obwohl die Ausbreitung der Menschen nur sehr allmählich im Laufe von Jahrhunderten, Jahrtausenden erfolgte, wanderten Gruppen bereits vor 20 000 Jahren über die trockenen Schelfe der Behringstraße nach Beidamerika und ebensolche nach Indonesien und Australien. An der Magellan-Straße in Südamerika wurden menschliche Skelette gefunden, deren Alter der Radiokarbontest mit 8600 Jahren bezifferte. Durch Kinderreichtum wie durch Landverlust infolge immer mehr überfluteter Schelfe gezwungen, drängten die Europiden aus der Nordwestecke des Kontinents in immer neuen Schüben nach Osten, Südosten und Süden fort (Abb. 2). Sie waren den dort lebenden dunkleren Rassen körperlich, geistig und willensmäßig überlegen, besiegten, vertrieben, töteten oder unterjochten sie. Noch in der Antike war es üblich, die unterlegenen Männer zu liquidieren und die Frauen als Sklavinnen (Nebenfrauen) heimzuführen. Wie sich so etwas abspielte, schildert ein frühes, anders aber ganz unverständliches Wort der Bibel sehr anschaulich. In Mose 1/6 heißt es: „Da sich aber die Menschen begunden zu mehren auff Erden, und zeugeten men Töchtere, Da sahen die Kinder Gottes nach den Töchtern der Menschen, wie sie schön waren, und namen zu Weibern, welche sie wolten.“ Ein bis heute gepflegter Brauch von Siegern. Und dann weiter: „Es waren auch zu den Zeiten Tyrannen auf Erden. Denn da die Kinder Gottes die Töchter der Menschen beschlieffen und men Kinder zeugeten, wurden dar aus gewaltige in der Welt und berhümbte Leute.“ Mit Kindern Gottes, die an dieser Bibelstelle ohne irgendwelche Einführung plötzlich auftauchen, können nur Erobererscharen gemeint sein, die sich scharf und überlegen an Körperkraft und Energie von der bodenständigen Bevölkerung abhoben. Das Erstaunen über solche Menschen und der Vergleich mit himmlischen Geschöpfen findet noch in dem Ausspruch eines Papstes im Mittelalter Ausdruck, als er gläubige Pilger aus Britannien empfing. „Anglii sunt?“, soll er gefragt haben, um dann gleich hinzuzufügen: „Angeli sunt!“, weil sie ihm so schön dünkten wie die blondgelockten Engel auf den Gemälden. Auch mittel- und südamerikanische Indianer sollen Europiden zuerst als Götter empfangen haben, bewogen durch eine alte Weissagung, nach der solche wiederkommen wollten, nachdem sie sie einst verlassen hatten, bis sie ― zu spät ihren Irrtum bemerkten. Während die Eroberer bald wieder weiterzogen oder verstarben, ist es rassisch richtig gesehen, daß ihre Kinder, Mischlinge zwischen ihnen und den einheimischen kleinwüchsigen Menschen, diese nun an Körpergröße und Kraft überragten und sich zu Herrschern aufschwangen. Aber auch wo nicht nur Männerscharen wie etwa später die Wikinger ― als Eroberer auftraten, sondern ganze Stämme, Männer, Frauen und Kinder, auswanderten und andere Völker unterwarfen, ist es früher oder später zur Vermischung gekommen. Zwar hielten die Sieger über einige Generationen ihre Rasse mittels Kastenschranken rein, doch sickerte bald über Nebenfrauen und deren Kinder fremdes Blut ein. Eigene Kinderarmut und Billigkeit gegenüber den Unterworfenen taten ein Übriges. Dieser Vorgang wiederholte sich in immer neuen Schüben, und so entstand um das Kernland Europa eine zunehmend aufgehellte Mischbevölkerung.
Bis rund 10 000 v. d. Z. sind auf der ganzen Erde bisher nur verschieden hoch-
entwickelte Jägerkulturen nachgewiesen worden. Überall gab es noch Großwild. Wo es seltener wurde, ging man zur Kleinwildjagd über. Wenn nach den Dialogen Timaios und Kritias von Platon der Untergang des Landes und Staates Atlantis vor 9000 Jahren geschehen sein soll, so hat dies Spanuth überzeugend mit 9000 Monaten berichtigen können. Vor 9000 Jahren kann es nämlich noch nirgendwo eine Hochkultur gegeben haben, wie sie Platon schildert. 9000 Monate vor Platon, also rund 750 Jahre, führen aber gerade in jene Katastrophenzeit, da die östlich von Helgoland gelegenen Schelfgebiete mit der dort befindlichen Hauptstadt Basilea überflutet worden sind, was den Zug der Seevölker ausgelöst hat. Das Reich Atlantis umfaßte damals noch Jütland und Südschweden. 9000 Jahre vor Platon waren noch weite Flächen der Nordsee fruchbares, bewohntes Land, und es bestand noch eine breite Landverbin-
dung zu England. Es kann aber wohl sein, daß die sich wiederholenden Landeinbrüche viel früherer Zeit in der Erinnerung mit den unauslöschlichen Eindrücken vom Untergang Atlantis verschmolzen und in sagenhafte Fernen verlegt wurden.
Um 9000 bis 8000 v. d. Z. muß in manchen Landstrichen, die sich durch Wild-
reichtum ausgezeichnet und deshalb viele Menschen angelockt hatten, Wildarmut eingetreten sein. Es waren die Länder um das östliche Mittelmeer, Anatolien, gefolgt von Mesopotamien und Iran-Indien um 7000 bis 6000 v. d. Z. Man bezeichnet den Übergang von der Lebensweise der Jäger zur Seßhaftigkeit auch als die neolithische Revolution. Es ist die Jungsteinzeit. Wie alle Revolutionen wurde auch sie durch Notstände ausgelöst. Die Bevölkerungsdichte war so gewachsen, daß die Jagd keine ausreichende Ernährung mehr gewährleistete. Sie konnte nur mehr nebenbei gepflegt werden und blieb seither mehr und mehr privilegierten Schichten vorbehalten. Sie wurde Luxus.
Mit dem sorglosen Jägerdasein war es in den jetzt am dichtesten besiedelten Gebieten der Erde vorbei. Tiere, die man bisher gejagt hatte, wurden gezähmt, Pflanzen, deren Früchte man bisher gesammelt hatte, wurden angebaut. Das war alles mühsamer. Es blieb aber nichts anderes übrig. Denn Abwanderungen und Eroberungen fremder Territorien versprachen nicht mehr so viel wie einst. Sie konnten leicht zu Niederlagen werden. Allenthalben lebten schon zu viele Menschen. So wählte man den gefahrlosen, wenn auch beschwerlichen Weg der Domestikation. Die großen Stromtäler mit ihren jährlichen Überschwemmungen eigneten sich besonders zur landwirtschaftlichen Nutzung. Bald dehnte man diese Naturdüngung mittels einer Bewässerungskunst über weitere Flächen aus. Im Niltal wurden die Menschen zwischen 6000 und 5000 v. d. Z. seßhaft. In Südanatolien entstanden bald größere Siedlungen, fast schon kleine Städte. Die Bearbeitung der Metalle begann, zuerst des Kupfers. So bildeten sich die Grundlagen der späteren Hochkulturen.
Auf der übrigen Erde setzte diese Entwicklung erst später ein. Die Bevölkerungs-
dichte war geringer, und die Jagd reichte noch zum Lebensunterhalt. Um 5000 v.d.Z. mußte man aber auch in China, Japan und Mexiko zur Landwirtschaft und seßhaften Lebensweise übergehen. In ›Alteuropa‹, wie der Kontinent ohne Balkan-, Apennin-
und Pyrenäenhalbinsel auch bezeichnet wird, geschah es erst zwischen 5000 und 3000 v. d. Z. Das Klima war rauher. Wo es eine überhandnehmende Bevölkerungsdichte gebot, bevorzugten die hier noch unvermischten Europiden die Abwanderung und Eroberung fremder Landstriche in wärmeren und freundlicheren Gegenden. Von jetzt ab lassen sich ihre Spuren deutlicher verfolgen. Wo ›Reichsgründungen‹ stattfanden, darf man Eroberer vermuten, die ihre Herrschaft errichteten. In Ägypten wurde der erste Staat um 3000 v. d. Z. gegründet. Der Name des ersten Herrschers (der Geschichte überhaupt) ist überliefert: Menes. In Ninive (Mesopotamien) schuf Sargon von Akkad, der Große, um 2350 v. d. Z. das erste Großreich der Weltgeschichte. Er soll ein ›Emporkömmling‹ gewesen sein. Seine Büste zeigt ein nordisches Condottiere-Antlitz.
In der Zeit um 2000 v. d. Z. müssen besonders weite Landüberflutungen im Nordseebereich stattgefunden haben, oder es muß infolge günstigen Klimas ein sehr hoher Geburtenüberschuß vorhanden gewesen sein. Denn für diese Zeit lassen sich große Wanderzüge der Europiden nachweisen. So brachen sie in mehreren Wellen in Indien ein, wo sie auf eine Spätkultur trafen, die von früher hier eingedrungenen, bereits in der dunklen Urbevölkerung aufgegangenen Europiden geschaffen worden war. Damals kamen die Amoriter in die Levante, die Hethiter nach Kleinasien, die Mykäner in den Peloponnes. Um diese Zeit entwickelten sich auch die eigenständigen Kulturen in Ostasien, China, Korea, Japan, auch dort ausgelöst von eingewanderten europiden Scharen. Obwohl noch viele Steingeräte verwendet wurden, kannte man um 2000 v. d. Z. in Europa bereits Bronzewerkzeuge und Waffen. Solche tauchen dann um 1500 v. d. Z. plötzlich in China auf, offenbar von Europiden mitgebracht.
Die nächsten großen Überflutungen haben den Untergang des Reiches der Atlanter verursacht. Das Land des Nordseeraumes, inzwischen immer kleiner geworden, hatte sich wahrscheinlich um 2000 v. d. Z., nach den letzten großen Einbrüchen, mit Jütland und Südschweden zusammen zu einem Staat organisiert. Nach Platons Atlantisbericht und Homers Phäakie war er nicht nur politisch, sondern auch wirtschaftlich und kulturell eine Großmacht, vor allem eine Seemacht, dessen Einfluß weit nach Europa und über die Küstenregionen um die Iberische Halbinsel bis ins östliche Mittelmeer reichte. Libyen, worunter damals alle Küstenländer Nordafrikas verstanden wurden, gehörte noch zu seinen Verbündeten. Dort saßen auch Megalithbauern. In jener Zeit hat Stonehenge seine mächtige Vollendung erfahren.
 
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Abb. 2.: Hauptwanderwege der Europiden von 30 000 v. d. Z. bis heute. Im Laufe der Jahrtausende sind manche früher, andere später, alle oftmals begangen worden.

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