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Assimilation und Propaganda

0. Abgrenzung der Interessenbereiche
Menschliche und materielle Ressourcen sind begrenzt. Ausgangspunkt für die Effek-
tivität der kulturellen Arbeit ist eine Selektion, eine Unterscheidung von Wichtigem und Unwichtigem. Dies wird mehr oder weniger entschieden durch die Natur der Gruppe und den Willen ihrer Mitglieder, mit ihren Interessen und Fähigkeiten, ihrer Begeisterung usw. Man merke:
a) eine gewisse Flexibilität in den Interessensthemen ist beizubehalten;(5) b) man sollte Themen in Subthemen anordnen und gliedern, danach Prioritäten setzen.

1. Bestimmung der offenen Fragen
Dieser Schritt 1 ist schon schwierig, denn er ist nicht mehr wie 0 eine Frage der Entscheidung, sondern des Wissens. Nur jene, die Kenntnis der spezifischen Literatur bzw. des Standes der Forschung besitzen, können bestimmen, welche offenen Fragen noch vorhanden und welche Probleme schon endgültig gelöst sind.(6) Dann geht man
so vor:

1a  Dort, wo Resultate feststehen, gilt es, sie zu assimilieren, zu lehren, zu verbreiten oder polemisch zu verwerten. Dazu muß die Taktik die Mittel näher bestimmen.(7)

1b  Dort, wo noch offene Fragen bestehen, muß man sich bemühen, sie mit maximaler Deutlichkeit darzustellen und ihre Relevanz zu ermessen. Dann geht man zu Schritt 2 über.

2. Risikoabwägung
Echte Forschung kann Ergebnisse nicht garantieren. Da muß die Gruppenleitung abwägen, wieviel Zeit und welche menschlichen sowie finanziellen Ressourcen das Projekt beansprucht. Stehen die Chancen zu einer Lösung relativ gut, geht man + zu Schritt 3 über. Sonst kehrt man zur Suche einer anderen Frage zu Schritt 1 zurück.

3. Spezifische Vorarbeit
Man unterscheidet zwischen allgemeinen Kenntnissen und partikulärer Information, welche zur Lösung der Frage beitragen könnten.(8) Dieses Wissen wird schnell und intensiv durch Eliteschulung vermittelt, dann geht man zu Schritt 4 über.

4. Lösungsversuche
Man stimuliert eine interne Diskussion (durch Seminare, Tagungen), bis Lösungs-
ansätze gefunden werden. Sind sie in der vorgesehenen Zeit nicht befriedigend ausgearbeitet, wird das Material archiviert und man geht + zu 1 zurück. Sind sie stichhaltig, geht man zu Schritt 5 über.

5. Öffentliche Diskussion
Jeder Lösungsvorschlag wird Einwände finden und neue Fragen aufwerfen, das heißt, im Idealfall kehrt man mit positiver Rückkoppelung zu Schritt 1 zurück, und der Kreis rollt wieder.(9)

Abschließende Anmerkung zum Forschungsprogramm

Selbstverständlich deckt die hier beschriebene Routine nicht, was spontan und genial ist. Aber man kann nicht erwarten, daß in jeder Generation ein Nietzsche entsteht: Der Fleiß von vielen muß kompensieren, was sonst die Eingebung eines Kulturhelden vermag. Es ist nicht notwendig, das ganze Programm zu durchlaufen, um beachtliche Ergebnisse zu erzielen. In vielen Fällen würden schon die ersten Schritte für eine kulturelle Tätigkeit mit Schlagkraft ausreichen.
Handlungen sind an sich vernünftig, wenn durch ihre regelmäßige Wiederholung
die Wahrscheinlichkeit wächst, die erstrebten Ziele zu erreichen. Will jemand Wohlstand, würde die wiederholte Ausfüllung eines Lottoscheins das Ziel nicht wahrscheinlicher machen. Hart Arbeiten, Geld sparen und es gut anlegen, käme
der Sache schon näher. In diesem Sinne beansprucht dieses Forschungsprogramm
Vernünftigkeit.
Die folgenden Beispiele dienen nur der Veranschaulichung der operativen Grund-
regeln von § 2 und der ersten Schritte von § 3. Man sollte sie so verstehen: Wären
die Themen dies und jenes, sollte man so und so vorgehen. Folglich gelten diese Beispiele nicht als Festlegung einer bestimmten Forschungslinie oder als Vorweg-
nahme des Ausgangsschrittes (0), der innerhalb einer Gruppe geschehen muß.

Bibelkritik

Eine Schwäche des systemerhaltenden Denkgebäudes liegt in seinem Bündnis mit den Offenbarungsreligionen; also gilt es nach den operativen Grundregeln (oben § 2), diese Schwäche auszunutzen. Von Reimarus über Lessing, Strauß usw. bis Loisy, Harnack, und Albert Schweitzer etablierte sich in der Theologie die Bibelkritik − mit fatalen Folgen für das Judenchristentum. In diesem Bereich gibt es reichhaltiges Material, das als absolut gesichert gelten kann. Dieses Ergebnis wird in der Regel totgeschwiegen oder vernachlässigt, so daß eine Assimilation und Verbreitung wünschenswert ist. Eine klassische, prägnante Zusammenfassung findet man in Thomas Paine The Age of Reason, und vermutlich wird das demnächst erscheinende Werk von Vial & Hagel in dieser Absicht verfaßt sein.
Man betrachte dies nicht als Detail für Gelehrte: Sind zwei Stellen der Bibel unverträglich (Paradebeispiel: die Genealogien Jesu bei Matthäus und Lucas),(10) muß mindestens eine falsch sein, womöglich auch beide. Aber somit wird der Begriff einer göttlichen Offenbarung erschüttert: Was für einen Sinn hat eine Offenbarung, die Wahres und Falsches vermengt? Warum sind die christlichen Kirchen nicht in der Lage, das Falsche einfach wegzunehmen? Und würden sie es wagen, welche Kriterien würden sie anwenden? Selbstverständlich nicht eine neue Offenbarung − aber was denn? Dieses Problem zeigt, warum sich Kirchen und Theologen im Notfall auf Mora-
lisches oder angeblich Metaphysisches zurückziehen und kleinlaut werden. Aus dem Notfall sollte ein Normalfall werden.
Andererseits bleiben in diesem Bereich viele offene Fragen, deren Beantwortung den Ursprung des Christentums in neues Licht rücken könnte. Stehen wir vielleicht vor einer reinen Legende? Könnte es sein, daß die Gnosis keine Ketzerei war, sondern eher das Christentum eine Ketzerei innerhalb der Gnosis? Was ist, wenn die pauli-
nischen Briefe ursprünglich den Gnostiker Markion aus Sinope als Verfasser hätten? (11) Eine Gruppe mit kompetenten Philologen und Historikern hätte gute Aussichten,
neue Ergebnisse zu Tage zu fördern.
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(5) Das Wetter und die Meteorologie sind an sich kein politisches Thema, aber wenn es um Klimawandel geht und dadurch Argumente für den Globalismus aufgestellt werden, dann haben sich die Verhältnisse geändert. Ob Einstein den Poincaré plagiiert hat, ist ein Detail der Wissenschaftsgeschichte − aber wenn dadurch eine Verwicklung der Wissenschaft als Institution mit manchen politischen Mächten aufgedeckt wird, dann ist die Situation ganz anders. Vgl. hierzu Elemente der Metapolitik 8 sowie den Beitrag unter: http://www.aulis.com/albert einstein.htm  (6) Im Normalfall ergibt sich diese Information aus den wissen-
schaftlichen Fachzeitschriften. Sonst muß man über Internet gründlich recherchieren und die Ergebnisse kritisch prüfen.
(7) Dabei spielen eine wichtige Rolle Rezensionen, Lehrbücher, Schulungen, Seminare, Übersetzungen, wissenschaftliche, weltanschauliche oder journalistische Aufsätze, Datenbanken, Essais, Projekte wie ein ›identitärer Katechismus‹, Anthologien, ein Lexikon der Hauptwerke (etwa wie der Kind-
ler, freilich stark komprimiert). In praktischer Hinsicht gibt es die Initiative von G. Adinolfi, entsprechende Gesetzgebungen vorzubereiten.
(8) Dies würde in einer funktionierenden Universität den Vorlesungen und Hauptseminaren entsprechen. (9) Aber hier stellt sich ein Problem taktischer Natur: die Schaffung einer geeigneten Öffentlichkeit. Da vermutlich wissenschaftliche Zeitschriften Beiträge unsererseits prinzipiell ablehnen werden, sind Wege zu finden, damit diese Diskussionen doch stattfinden können. (10) Die klas-
sische Stelle für die Erörterung des Problems findet man bei Strauss,
Das Leben Jesu, Band I, 17. Während Lukas (Lk 3. 23-32) nicht weniger als 41 Generationen von David bis zu Joseph zählt, sind sie für Matthäus nur 26 (Mt 1:6-17). (11) Wer sich für die Problematik interessiert, kann unter:
http://www.hermann-detering.de die Radikalkritik zur Kenntnis nehmen.

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