banner_adler_standard.jpg
Grundsätzlich bedeutet jede Immigration, daß derjenige, der sie gestattet, an die Immigranten Land abtritt. Hat ein Staat große Reserven unbewohnten Landes, dann mag er von diesen Reserven etwas abtreten, ohne sich ernstlich zu schädigen. Der Zugewanderte wird dann zum Eigentümer dieses Gebietes, das er souverän verwaltet, und es kann sich ein freundliches Nebeneinander entwickeln. Baut sich dagegen eine Minorität einer anderen Kultur in einem bereits dicht besiedelten Gebiet auf, dann sind selbst bei bester Absicht aller Beteiligten die Konflikte vorgezeichnet. Man muß damit rechnen, daß archaische Muster territorialer Abwehr gegen die Einwanderer aktiviert werden und daß diese ihrerseits mit Abgrenzung antworten. Jede Gruppe wird bestrebt sein, ihre Eigeninteressen zu vertreten. Ohne diese ethnozentrisch-nepotistische Einstellung wäre keiner von uns auf dieser Welt. Reaktionen dieser Art sind nicht das Ergebnis rechtsradikaler Demagogenarbeit. Hier handelt es sich um
alte archaische Verhaltensmuster, die ihre Funktion erfüllten und es vielleicht sogar auch heute noch tun, denn wer seine eigene genetische Verdrängung akzeptiert, redet in den folgenden Generationen nicht mehr mit. Wir können sicher bewußt gegen die uns angeborenen Verhaltensprogramme handeln. Aber dann müssen wir damit rechnen, daß wir uns damit eventuell auch aus der Evolution verabschieden. Ich habe öfters erlebt, daß daraufhin einzelne antworteten:
„Na, und wenn schon. Was ist denn an uns Europäern oder an uns Deutschen so Besonderes?“
Ein Interesse der Natur an der Erhaltung irgendeiner Population existiert gewiß nicht, aber es existiert ein legitimes Eigeninteresse, das sich in der Vorsorge für eigene Nachkommen ausdrückt. Wenn einzelne durch Verzicht auf Fortpflanzung aus der Evolution ausscheiden möchten, dann ist das deren gutes Recht. Sie sind jedoch nicht berechtigt, Fortpflanzungschancen anderer Mitglieder ihrer Population zu verschenken, und schon gar nicht haben Politiker das Recht, eine multikulturelle Gesellschaft zu verordnen. Sie verstoßen damit gegen das ihnen übertragene Mandat, die Interessen ihres Volkes wahrzunehmen. Will man helfen, dann muß man es auf andere Weise tun, zum Beispiel indem man nach bestem Können darauf hinwirkt,
daß sich die Verhältnisse in den Ursprungsländern der Einwanderer politisch und wirtschaftlich bessern. Es ist ja auch unverantwortlich, so zu tun, als könnte man Einwanderern auf  Dauer hier eine gesicherte wirtschaftliche Existenz garantieren,
als würde es nie wieder wirtschaftliche Depressionen geben. Kein Mensch kann eine solche Wohlstandsgarantie geben.
Noch ein weiterer Punkt wäre in diesem Zusammenhang anzusprechen. Europa ist bereits ein übervölkerter Kontinent, und die Bundesrepublik Deutschland gehört mit zu den am dichtesten bevölkerten Ländern. Wir beklagen das Waldsterben, die Vergiftung der Umwelt, die Verseuchung des Grundwassers und die Zubetonierung
der Landschaft. Und in dieser prekären Situation soll sich die Bundesrepublik als Einwanderungsland öffnen? Ohne Exporte könnten wir bereits heute unsere Bevöl-
kerung nicht ernähren.
Eine verantwortliche Regierung trägt auch für Krisenzeiten Vorsorge. Die unkon-
trollierte Bevölkerungsvermehrung in der dritten Welt wird in absehbarer Zeit zu katastrophalen Zuständen führen. Wenn wir nicht in den Strudel zunehmender Verelendung hineingerissen werden wollen, dann muß sich Europa bis zu einem gewissen Grade abschotten. Nur wenn sich die europäische Völkergemeinschaft auf diese Weise erhält, wird sie auch weiter in der Lage sein, nach ihren humanitären Idealen zu leben und damit auch anderen zu helfen.


Eibl-Eibesfeldt, Irenäus, Human Ethology. New York, Aldine de Gruyter, 1989.
Eibl-Eibesfeldt, Irenäus, Der Mensch − das riskierte Wesen. Zur Naturgeschichte menschlicher Unver-
nunft
. München, Piper, 1988.
Erikson, E.H., Childhood and Society, New York, N.W. Norton, 1950.
Popper, Karl, Auf der Suche nach einer besseren Welt, München, Piper, 1989.Vogel, Christian, Sind es die Gene? Ein Gespräch mit Prof. Dr. Christian Vogel. In: Psychologie Heute, 15, 45―47.
 
multi.tif
balken_4.tif

1  2