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Das heidnische Römertum war eine geniale Schöpfungstat nordischen Geistes,
der umfassende und während eines ganzen Zyklus zum Großteil geglückte Versuch,
die Kräfte der Welt in den Formen einer heldischen, solaren Kultur wiedererstehen zu lassen:
einer Kultur, die geheimnisvoll bestätigt wurde durch die nordischen Zeichen des Wolfes,
des Adlers und der Axt.


Der Zusammenbruch des heidnischen Roms ist der Zusammenbruch des größten tradi-
tionellen und solaren Bollwerks, und in den Kräften, die vorwiegend zu diesem Sturz bei-
getragen haben, ist unschwer das zu erkennen, was den Weg zu allen darauffolgenden Abirrungen und Verstrickungen freigelegt hat, bis auf den Zustand des heutigen Europas.

Die finstere jüdisch-christliche Woge, die Feindin ihrer selbst und der Welt, die mit
ihrer wütenden Zertrümmerung einer jeden Hierarchie, mit ihrer Verherrlichung der Schwachen, Enterbten, Herkunfts- und Traditionslosen, mit ihrem Groll gegen alles, was Kraft, Zulänglichkeit, Weisheit und Aristokratie ist, mit ihrem exklusiven und proselyten-
macherischen Fanatismus wahrhaft Gift war für die Größe Roms und die Hauptursache ist für den Untergang des Abendlandes.

Die Religion Israels, die schon das Kollektivgefühl der ›Schuld‹ und der ›Sühne‹ be-
stimmte, aber vor allem nach der Niederlage und der Knechtschaft des ›auserwählten Volkes‹ hervortrat und mit dem Prophetentum die Reste des aristokratischen Geistes der Pharisäer begrub, ruft die nämlichen negativen Kräfte des ägäisch-pelasgischen Tellu-rismus auf, welchen die achäischen Stämme unterjocht hatten; jene der Kaste der
çüdra, der sogenannten ›dunklen‹ Kaste — krshña — und dämonischen Kaste — asurya —, auf der sich in Indien, als Form über dem Chaos, die Hierarchien der drei höheren Kasten der Wiedergeborenen — dwija — erhoben, bis zum Typus des brahmâna und des als ›großer
Gott in Menschengestalt‹ begriffenen Königs; endlich die Kräfte dessen, was uns der
Mythos in Gestalt der nordischen rinthursi oder der Scharen von Gog und Magog überlie-
fert, denen Alexander der Große den Weg durch eine symbolische eiserne Mauer versperrt hatte.

Diese Kräfte, die sich im frühen Christentum geistig auswirkten, zerstörten den Geist. Während sie dann auf der einen Seite, sich mildernd, in der katholischen Kirche die
Formen einer lunaren Geistigkeit bestimmten, d. h. einer Geistigkeit, deren Typus nicht mehr der sakrale König, der solare Initiat oder der ›Held‹ ist, sondern der Heilige, der vor Gott sich neigende Priester, und deren Ideal nicht mehr die kriegerisch-sakrale Hierachie und der ›Ruhm‹ ist, sondern die brüderliche Gemeinschaft und die caritas sehen wir auf
der anderen Seite, in der Reformation und im Humanismus, die anarchische, zersetzende antitraditionelle Umatur eben dieser Kräfte. Und längs der politischen Revolutionen, im Liberalismus, im Anbruch des Kollektiven erzeugt eine Ursache die andere, folgt Sturz auf Sturz. In allen Formen der modernen Gesellschaft — bis zur Wissenschaft, zum Recht, zu den Illusionen der Technik und der Macht der Maschine — offenbart sich, wie paradox das auch klingen mag, der nämliche Geist; triumphiert der nämliche nivellierende Wille, der Wille zur Zahl, der Haß gegen die Hierarchie, die Qualität und die Differenzierung; festigt sich die kollektive, unpersönliche Fessel, aus gegenseitiger Unzulänglichkeit gefertigt, die einem aufrührerischen Sklavengeschlecht eignet.

Weiter: Wie der jüdisch-christliche Mystizismus sich in jenem orphisch-dionysischen Pathos begegnet, das schon für das dorisch-nordische Griechenland eine Entstellung des antiken olympischen Kultes bedeutete, und in dem volkstümlichen Isis-Mystizismus, aus dem Verfall der solaren ägyptischen Tradition erstanden, so ist jenes Element der ›Passion‹, das mit dem Messianismus und Chiliasmus das Gemisch der kaiserlichen Plebs bestimmte — gegenüber der überlegenen Ruhe der cäsarischen Führer, der schlichten Größe des homerischen Helden, der geläuterten Geistigkeit und dem autarkischen Ideal
des heidnischen Philosophen und Initiaten — auch die Wurzel jeder modernen Verirrung
im romantischen, infinitistischen und irrationalistischen Sinne. Nach seiner Säkularisie-
rung führt uns dieser Mystizismus bis zu den Mythen des ›Aktivismus‹ und des zeitgenös-
sischen Fortschrittsaberglaubens, bis zur semitischen Mystik des Instinkts und des ›élan vital‹, bis zur Verherrlichung des ›Geschehens‹ und des ›Lebens‹, kurz, bis zur Vergötte-
rung des wilden, Unterpersönlichen, kollektiven Elementes des Menschen, das heute
mehr als je entfesselt zu sein scheint — so sehr, daß es Individuen und Völker in eine von ihnen selbst nicht gewollte Richtung hineintreibt.

Vor dem Sturz erhob sich, der jüdisch-christlichen Flut gegenüber, noch einmal die andere Kraft, gleichsam um eine entscheidende Alternative aufzustellen für den ferneren Verlauf der abendländischen Geistesgeschichte. Es war die Tradition der Arier Irans, die
in Form des kriegerischen Kultes des Mithra erstand, des
avatâra des antiken ansehen Gottes des leuchtenden Himmels, des ›Beherrschers der Sonne‹, des ›Täters des Stieres‹, des Helden mit der Fackel und der Axt, des Symbols der Wiedergeborenen ›durch die Macht‹, den ein synkretistischer, aber darum nicht weniger bedeutungsvoller Mythos dem hyperboreischen Gotte des Goldenen Zeitalters angleicht. Aber stärkere Kräfte drossel-
ten auch diese ›solare‹ Möglichkeit ab.

Darauf die letzte große Abwehr: das Heilige Römische Reich Deutscher Nation. In den sogenannten »Barbaren« treten uns in Wirklichkeit Rassen entgegen, die eng verwandt
sind mit den achäischen, paleo-iranischen, paleorömischen und im allgemeinen mit den nordischen, und die sich sozusagen im Zustand vorgeschichtlicher Reinheit erhalten
haben. Und wenn ihr Auftauchen in Bezug auf die materielle Seite des schon jüdisch-
christianisierten Imperiums zerstörerisch erscheinen konnte, so kam es, von einem
höheren Standpunkt aus, doch einem belebenden Zufluß heroischen Geistes gleich, einem Kontakt, der mit einer Kraft galvanisierte, die jener geistesverwandt ist, welcher die heidnische
romanitas ursprünglich ihre solare Größe verdankte. So aufersteht in der Welt das alte römische Symbol, unmittelbar von den Kräften des Nordens verteidigt.

Die ökumenische Kultur des kaiserlichen und feudalen Mittelalters, jenseits ihres nur nominellen christlichen Glaubensbekenntnisses, müssen wir vor allem unter diesem Gesichtspunkt bewerten. Aus ihr spricht eine nordisch-römische Geistigkeit, deren Miliz
das Rittertum war; deren überpolitisches Zentrum das gibellinische Kaiserideal war;
deren heimliche Seele, sich dem Christentum widersetzend und einer älteren und höherstehenden Tradition getreu, alles das war, was verborgen in Legenden, Mythen, kämpferischen und ritterlichen Weihen fortlebte, von den Templem und den Gralsrittem
bis zu den
fedeli d'amore.

Nach dem Untergang der mittelalterlichen Kultur, nach der Vernichtung dieses strah-
lenden europäischen Frühlings in seiner ersten Blüte, nach der Entfesselung jener Kräfte, die zu einer Verweltlichung, einem Partikularismus und einem zersetzenden Humanita-
rismus geführt haben, sind die Wege zum letzten Sturz frei. Die Kraft der Tradition wechselt vom Sichtbaren zum Unsichtbaren hinüber, wird ein Erbe, das sich in einer geheimen Kette von Wenigen zu Wenigen überträgt. Und heute erahnen sie Einige in noch verworrenen, noch ans Menschliche und ans Materielle gebundenen Versuchen. Es sind Menschen, oft unbekannte, oft aber aufblitzende wie tragische Meteore — Nietzsche —,
die zusammengebrochen sind unter dem Gewicht einer Wahrheit, welche, zu groß für sie, nun auf andere wartet, die sie wieder zu erfassen und sich so für sie einzusetzen wissen, daß sie von neuem, hart, kalt vor ihren Feinden ersteht in der großen Erhebung: der-
jenigen, von der es noch einmal abhängen wird, ob sich das Abendland in seinen Unter-
gang findet oder eine neue Morgenröte erlebt.
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