banner_adler_standard.jpg
laternen.tif
 
Ring_ts
Man wird früher wohl einige der gesammelten Gaben ganz dem Feuer übergeben haben, als Opfergaben. Andere brachte man nur mit dem Feuer in Berührung und verzehrte sie dann, nachdem sie durch das Feuer geweiht waren. In den Umzügen führt man auch Masken mit, so Darstellungen des heiligen Martin, die mitunter in dem Feuer verbrannt werden. Beim Tanz um das Feuer sang man von dem ›neuen
St. Martin, der alte sei verbrannt‹. Es handelt sich hier um den höchst altertümlichen Brauch, daß eine Gestalt, die das alte vergangene Jahr verkörpert, verbrannt und durch den Tod im Feuer erneuert, wiedergeboren wird. Das Neue entsteht aus dem Tode des Alten. Wir verstehen nun auch, warum jenes Gebäck, das den Martin
darstellt, ihn mit Henkelarmen abbildet, die einen Kreis bilden. Es ist dies der Jahreskreis, der das immer wiederkehrende Sinnbild der ewigen Erneuerung des Lebens ist. Daß diese Deutung das Richtige trifft, ergibt sich auch daraus, daß manchmal der eine Arm nach oben gezogen und an den Kopf gelegt ist, der andere aber in die Seite gestemmt wird. Es ist damit deutlich auf die Verschiedenheit der beiden Jahreshälften angespielt, deren eine den Frühling, das Steigen und Wachsen bedeutet, dagegen die andere den Herbst, das Sinken und Vergehen.

Diese Maskenumzüge des Martinstages haben in manchen Gegenden noch dieselbe Form, in denen wir sie sonst heute mehr in den Umzügen der Zwölf Heiligen Nächte und der Fasnacht finden. Da verkleiden sich z. B. im Schwäbischen die Jungens als Pelzmärte, machen großen Lärm mit Schellen und werfen Erbsen an die Fenster. Anderswo ziehen gehörnte, mit Ruß geschwärzte und mit Schellen behängte Gestal-
ten umher, die jeden, dem sie begegnen, mit Ruß beschmieren. Andernorts wieder knallen die Knaben mit Peitschen. Das Lärmmachen ist ein typischer Zug all dieser winterlichen Maskenumzüge. Bei den Martinsumzügen finden wir z. B. den Rummel-
pott, der auch Huckelpott,Hindeltopp oder Büllhafen heißt. Der Rummelpott ist ein einfacher Blumentopf oder ein hölzernes Gefäß, das wie eine Trommel mit einer Schweinsblase überspannt ist. Bevor man die Schweinsblase anbringt, wird sie
durchstochen und in das Loch ein Rohrstengel gesteckt, der in die Mitte des Topfes
zu stehen kommt. Mit dem Rummelpott kann man ein dumpfsummendes Geräusch erzeugen, indem man mit der Hand an dem Stengel auf- und abstreicht. Dieser Rummelpott ist heute noch in Schleswig-Holstein und Ostfriesland, in Holland und Flandern, aber auch in Kärnten und der Steiermark in Gebrauch. Er wird sonst am Neujahrstag und vor allem in der Fasnachtszeit verwandt. Das zeigt wieder, daß
der Martinstag zu diesen alten Mittwinterfesten gehört.

Wie schon hervorgehoben wurde, hat das Martinsfest besondere Verwandtschaft mit dem Nikolaustag. Wurden am Martinstag bei den Bettelumzügen immer wieder Apfel, Birnen und Nüsse in den althergebrachten Liedern gefordert, so ist es andererseits am Nikolaustag üblich, Schuhe oder Teller vor die Türe zu stellen, auf denen dann am Morgen die Kinder die Gaben des Nikolaus fanden, unter denen wiederum Apfel und Nüsse nie fehlen durften. Wie wir sahen, gehen Martin und Nikolaus auf dieselbe Urgestalt zurück; es ergibt sich also, daß der hinter den Heiligen sich verbergende alte Gott dieselbe Gabe empfängt, die er spendet. Apfel und Nüsse aber sind im alten Mythos Götterspeise, die den Göttern das ewige Leben verbürgt. An den Festtagen ißt sie auch der Mensch, um des göttlichen Segens teilhaftig zu werden.
balken_schmal_4.tif

1  2