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Wir nehmen ferner die beiden ‚homogenen‘ Reproduktionsgruppen A und C, die durch outbreeding die polymorphe Population B bilden, deren gesamte ausgedrückte Merkmale zwischen A und C liegen. Wenn eine selektive Umwelt, die B ungünstig ist, entsteht, wird diese zentrale polymorphe Population zum großen Teil ausgerottet, die beiden Reproduktionsgruppen A und C aber nicht: In diesem theoretischen Fall ist der durch exogamische Kreuzung künstlich geschaffene Polymorphismus ein sicherer Nachteil.
Im Gegensatz zu den Behauptungen, die den Spekulationen einiger Theoretiker folgen, kann man sagen, daß die Mischungs- oder Hybridationsheterogenität praktisch keine neuen Überlebensmöglichkeiten erzeugt im Bezug auf die (relativen) phäno-
typischen Homogenitäten, aus denen sie entsteht. Sie scheint vielmehr negativ zu sein. Im Tierreich jedenfalls bestätigt das Bestehen zum Beispiel von selbstbefrucht-
baren hermaphroditischen
Fischen Rivulus marmoratus und Serranus subligarius die absolute Überlegenheit des Bastardierungspolymorphismus nicht. Ganz im Gegenteil, es widerlegt sie vollkommen.
Die eine genetische Dispersion befürwortende Argumentation betrachtet nur den Polymorphismus, der durch outbreeding verursacht ist. Dies ist aber nicht der einzig mögliche Polymorphismus, denn es gibt einen natürlichen Polymorphismus innerhalb jeder Rasse. Bestimmte endogene Populationen sind sogar, nach Bateson (8), inner-
lich differenzierter als bestimmte exogamische Populationen (
Mucus domesticus, zum Beispiel, dessen endogamisch reproduzierter Teil mehr Variabilität aufzeigt als der exogamisch reproduzierte Teil). Das ist auch der Fall beim Menschen. Mayr schreibt, daß „bestimmte menschliche Populationen, die klar das Produkt einer Rassenmi-
schung sind, keine signifikative höhere Variabilität zu haben scheinen, als die Variabilität von Rassen, die man ungemischt nennt“
(9). Es folgt daraus, daß der Mischungspolymorphismus, der global nicht innovativ wirkt, absolut nicht nötig ist. Allein genügt eventuell der natürliche oder adaptive Polymorphismus, der etwas Neues bringen kann.
Die Kreuzung von verschiedenen Arten und Rassen erscheint im Gegenteil deutlich desadaptiv und sogar verwirrend. Das geschieht auf verschiedenen Stufen des Tier-
reichs. Zum Beispiel die Fischbruten von zwei Populationen von Lachsen (
Oncorhyn-
chus nerka
), die sich jeweils am Eingang und am Ausgang eines Sees fortpflanzen, gehen den Strom jeweils abwärts und aufwärts, um den Ort ihres Wachstums zu erreichen. Die aus der experimentellen Interkreuzung entstandenen Fischbruten dieser nach ihrer Verhaltensweise verschiedenen Populationen zeigen teilweise ein gestörtes und desadaptives Verhalten. In jedem gemischten Wurf gehen die einen den Strom aufwärts, die anderen abwärts, unabhängig davon, wo für sie die Richtung zum See sein mag, das heißt, daß ein Teil von ihnen sich von ihm entfernt anstatt sich ihm anzunähern, um ihn zu erreichen. Andere, die bis in ihr Verhalten bastar-
diert sind, zeigen eine noch stärkere Störung des Verhaltens: Sie gehen alternativ in beide entgegengesetzte Richtungen, ohne ihr Ziel je zu erreichen.
 
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Oben: Der „Vater der Genetik“, Gregor Mendel (1822-1884), veröffentlicht in 1865 die Regeln der Vererbung. Unten: James Watson und Francis Crick beschreiben in 1953 die 3D-Struktur der DNA.
Unter natürlichen Bedingungen würde wahrscheinlich mehr als die Hälfte durch die Auflösung eines einzigen Charakters ausgeschieden (10). Dilger zitiert seinerseits den Fall von den Bastarden der Papageien Agapornis roseicollis und Agapornis personata, die auch ein gestörtes Verhalten zeigen: Sie mischen kohärenzlos die elterlichen Transportmethoden des Nestmaterials (11). Von Schilcher behauptet, daß, wenn zwei durch eine geographische Trennung gebildete Rassen sich wiederfinden, die Bastarde, die nach dieser Wiederfindung entstehen, oft einen Selektionsnachteil aufweisen, weil „die koaptierten Genkomplexe nicht mehr zusammenpassen“ (12). Je mehr die Eltern genetisch entfernt sind, desto chaotischer ist das Verhalten ihrer Nachkommen im allgemeinen; Dieses chaotische Verhalten umfaßt inkohärenterweise verschiedene und unangepaßte Sequenzen des elterlichen Verhaltens.
Beim Menschen erscheinen manchmal ernsthafte psychologische Störungen, die
zum Irrsinn oder Selbstmord führen können. Der Mischling, der sich psychologisch zwischen zwei konträren Richtungen befindet, schwingt unaufhörlich von der einen zur anderen, getrieben von seiner inneren Zerrissenheit.
In vielen Fällen hat die Bastardierung deutlich regressive Folgen, in dem Sinn, daß die Bastarde einen Rückschlag in ihrem Verhalten erleiden. Lorenz, nach Heinroth, nennt die gekreuzten Anatiden, deren archaisches Verhalten weder das des einen noch des anderen Vorfahren ist noch eine Mischung der elterlichen Verhaltensweisen, sondern das Verhalten phylogenetisch primitiver Arten (13). In solchen Fällen ist der gewöhnliche Zwischenstand durch eine echte Regression des Verhaltens, und sogar von anatomischen Zügen, ersetzt. Lorenz  schreibt, daß sie „oft weder an die ent-
sprechenden (Verhaltensweisen) der einen, noch an die der anderen elterlichen Art erinnern, noch etwa ein Mittelding zwischen beiden bilden, sondern in ganz anderer Weise zur Ausbildung kommen, indem ein Rückschlag auf eine primitive, philogene-
tisch ältere Form eintritt“
(14). Er fügt hinzu, daß dies, wie man seit langem weiß, der Fall bei gewissen morphologisch archaischen Merkmalen ist, die in den Bastarden wiedererscheinen. Fischer zitierte dazu das Beispiel des Ohrentyps der alten Busch-
männer, der oft bei den Bastarden von Weißen und Hottentotten durchschlägt.
Selbst der einer multi-kulturellen Welt nicht abgeneigte schweizerische Anthropo-
loge Gloor scheint  die Mischung der menschlichen Rassen zu befürchten, wenn er schreibt:
„Noch einmal hoffend, daß die angenommene totale Vermischung nicht das Wiedererscheinen von archaischen menschlichen Formen verursacht! Beispiel: Die ‚Entzüchtung‘ durch Vermischung von europäischen Ochsenrassen hat es den Brüdern Heck erlaubt, den wilden Vorfahren, den Urochs, wiederherzustellen, der vor drei Jahrhunderten verschwunden war, und den man, vor Kraft strotzend, im Münchener Tiergarten bewundern kann.“ (15) Der Vorschlag Cavelli-Sforzas, alle Völker der Erde zu vermischen, um die besten Rassen zurückzudrängen, ist nicht nur bloßer, verbre-
cherischer Unsinn, sondern im Ergebnis genozidär. Wenn die außerrassische Exogamie Nachteile darstellt, so stellt umgekehrt die innerrassische Endogamie Vorteile dar. Sie hat vor allem, nach Shields (16), unabhängig von ihrer Natur, eine Verstärkung der Einheit des Genoms und der von ihm bestimmten Eigenschaften zur Folge. Dieser Vorteil ist doppelt. Einerseits werden die
„koadaptierten Genkomplexe“ (17), die kohärente Charakterkomplexe bestimmen, normalerweise erhalten; andererseits werden die schädlichen Gene, die von der Exogamie in gemischten Populationen erhalten und verbreitet werden, durch die Homozygotie (Reinerbigheit) entlarvt und so zum Verschwinden gebracht (18).

8   P. Bateson, Mate Choice, Cambridge University Press, Cambridge, 1983.
9   E. Mayr, Populations, espèces et évolutions, Hermann, Paris, 1974.
10   Brannon, zitiert von Shields, a.a.O. (Anm.3).
11   W.C. Dilger: ›The Behavior of Lovebirds‹. In: Scientific American, 206, 1962, 88‒98.
12   F. von Schilcher, Vererbung des Verhaltens, G. Thieme, Stuttgart–Neu York, 1978.
13  K. Lorenz, Über tierisches und menschliches Verhalten, Piper, München, 1965.
14   Ebenda.
15  Siehe: Gloor, Racismes-Antiracismes, zitiert von Eric Delcroix, La francophobie, Libres opinions, Paris–Conchobar, 1993.
16  W. M. Shields, a.a.O. (Anm.3).
17  L. Partridge: ›Non-random Mating and off-spring Fitness‹. In: Mate Choice, Cambridge University Press, Cambridge, 1983.
18  W.M. Shields, a.a.O. (Anm.3).
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